Im Uhrzeigersinn sind wir einmal um die Insel herum gefahren, immer der Ringstraße nach. Kann nicht so viel schief gehen, gibt nur wenige andere Straßen, wenige ausgebaute Straßen. Außerhalb der Städte, oder besser: Orte, ist das auch so. Da hat selbst Google Maps manchmal Schwierigkeiten, die eingegebene Adresse zu finden.

Unser Roadtrip startet an einem milden Tag im September 2018 in der Hauptstadt Reykjavík, die mit 125.000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt in dem Ballungsgebiet im Südwesten ist. Hier gibt es viele Straßen, die mich mit ihren Hügeln und bunten, nordischen Häuschen etwas an San Francisco erinnern. Faszinierende Architektur bietet auch die Kirche Hallgrímskirkja, deren Fassade an die Steinformationen am Reynisfjara Beach angelehnt ist. Davon gibt es weiter unten ein Bild, wer sieht die Ähnlichkeit? Außerdem finden wir die vielen kleinen Plattenläden, Cafés und vor allem das Katzencafé ​Kattakaffihúsið perfekt, um uns sowohl kulinarisch als auch mit Kultur aufzuladen bevor wir ins Niemandsland aufbrechen.



Schneller als 90km/h darf man in Island nirgends fahren, das ist tatsächlich auch ratsam, da es viele Kurven und einspurige Brücken (Einbreið Brú) gibt. Allerdings sehen wir in zehn Tagen nur zwei Blitzer. Dafür unzählige Islandpferde, Wasserfälle, Leuchttürme, Kirchen und mit jeder Etappe verändert sich die Landschaft. Grüne Wiesen und Hügel, die an Irland erinnern, nordische Strände, schwarze Strände, Schwefelfelder, nordamerikanische Wälder, Vulkanlandschaften, Fjorde, Eis.






An einem Morgen kommen wir bei veganem Frühstück mit unserer Gastgeberin ins Gespräch. Wir erzählen ihr, dass wir beruflich mit Bands zusammenarbeiten, da meinte sie ihr Sohn sei auch Musiker und sogar international bekannt. Das Schild an der einen Zimmertür im Haus, auf dem der Name „Ásgeir“ zu sehen ist, gehört wohl doch keinem Fan, wie wir erst dachten. Wow, die Welt ist so klein.







Eine weitere schöne Erinnerung an eine unserer Unterkünfte, ein Gästehaus (Gistiheimili) in Höfn, stellt die Nacht der Nordlichter dar. Als wir durch das Fenster nach draußen schauen und uns nicht sicher sind, ob wir nun einen Schleier am Himmel sehen, der am Anfang nur leicht grau sein kann, gehen wir in die Kälte hinaus und laufen direkt in eine Horde Fotografen. Sie belegen gerade einen Polarlicht-Fotoworkshop. Perfekt! Als der Schleier dann Farbe annimmt und zu tanzen beginnt, fangen alle an zu jubeln, also stimmen wir mit ein. Nur leider habe ich natürlich kein Stativ dabei, da ich eine der gemütlicheren Fotografinnen bin. Dafür ist das folgende Bild jedoch ganz ansehnlich geworden und es funktioniert erstaunlich gut die Kamera stattdessen auf Steine oder Autodächer zu stellen, oder sie ganz fest an den Körper zu drücken. Zum ersten Mal sehe ich während unseres Trips auch Gletschereis an der Gletschlagune Jökulsárlón, dessen Farbe und Struktur wirklich unbeschreiblich ist.



Als wir mitten im Niemandsland kurz vor einem Touri-Hotspot plötzlich im Stau stehen, denken wir uns schon, dass hier etwas nicht stimmt. Ich laufe kurz um die Kurve, welche den Blick auf folgendes Szenario freigibt:



Dass Island so viel bereist wird, ist auf der einen Seite gut, da es viele schöne moderne Unterkünfte und Restaurants gibt, das Essen dort ist aber wirklich teuer. Auch vegan unterwegs zu sein ist überhaupt kein Problem, selbst an den abgelegensten Orten finden wir über die App „Happy Cow“ Cafés und Restaurants, die vegetarische und vegane Alternativen anbieten. Einmal essen wir in einem Diner zu Abend, das mich wieder sehr an Amerika erinnert. Garlic Bread, Burger und Pizza. Die Lebensmittel werden zum größten Teil aus den USA, Deutschland und Skandinavien importiert, diese Einflüsse merken wir überall.

Doch die vielen Touristen bringen auch ihre Schattenseiten mit sich. Zertrampelte Pfade dort wo einmal Moos war, Plastikmüll an den schwarzen Sandständen und zu viel besuchte Sehenswürdigkeiten können bedrohlich werden. Achtet bitte alle auf die Natur und nehmt euren Müll mit, es lohnt sich!

Expectation:

Reality:

Nach zehn Tagen haben wir zwar nicht alles gesehen, was die Insel zu bieten hat, haben aber viel über das Land und seine Einwohner gelernt (wusstet ihr, dass die Mehrheit der Isländer die Existenz von Elfen für wahrscheinlich hält?), die Ruhe, die Fahrt und die Landschaft genossen. Gleichzeitig waren viele Sehenswürdigkeiten, auch wenn sie wunderschön sind, weniger imposant als beispielsweise Orte in Amerika, die wir bereits besucht haben.

Reisen ist für mich ein Weg immer wieder zu mir selbst zu finden, alte durch neue Gedanken abzulösen, neue Inspirationen zu bekommen und Geschichten zu erleben. „Ich reise niemals ohne mein Tagebuch. Man sollte immer etwas Aufregendes zu lesen bei sich haben.“ (Oscar Wilde)



Soundtrack:
Ásgeir
Kaleo
Of Monsters and Men
Boston Manor
Mogli